Der kausale Effekt von Privatschulunterricht

In einem Artikel von Inge Kloepfer auf FAZ.net zur steigenden Beliebtheit von Privatschulen in Deutschland las ich eben folgendes zu den Gründen der Eltern eine Privatschule in Betracht zu ziehen:

Dahinter stehen allerdings immer die angenommene höhere Unterrichtsqualität privater Schulen und eine größere Erfolgswahrscheinlichkeit für die Kinder. Rund zwei Drittel der Deutschen meinen nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, dass Privatschulen ihren Kindern bessere Bildungschancen eröffnen.

Soweit so gut. Diese Alltagstheorien der Menschen müssen nicht ganz falsch sein; besser ausgestattet sind die Privatschulen bestimmt und es ist auch plausibel anzunehmen, dass die LehrerInnen — im Schnitt — zu den motivierteren ihrer Zunft gehören. Leider hat aber auch Frau Kloepfer, wie die meisten Journalisten in Deutschland, offensichtlich nie ein Grundseminar in Kausalanalyse besucht — wenn man das denn überhaupt muss, um zu erkennen, dass nachstehend zitierte Argumentation nichts als Firlefanz ist:

Ganz falsch liegen die Eltern mit ihrer Kompetenzvermutung nicht. Helmut Klein vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft gibt ihnen weitgehend recht: “In der Hälfte der Bundesländer bringen Privatschulen im Verhältnis zu ihrer Schülerzahl mehr als doppelt so viel Abiturienten hervor wie staatliche Gymnasien und Gesamtschulen.”

Aua. Das tut weh. Schön ist, dass man Frau Kloepfer in Ihren eigenen Worten erklären kann, was sie nicht versteht. Sie schreibt, dass…

Über die Qualität staatlicher Bildungsangebote in den bildungsbewussten Mittel- und Oberschichten längst mit den Füßen abgestimmt [wird].

So ist das. Und jetzt raten Sie mal, wie hoch die Abiturientenquote unter Kindern solcher Eltern an staatlichen Schulen ist. Und wenn Sie schon dabei sind, raten Sie doch auch noch die Veränderung in der Differenz zwischen privaten und staatlichen Schulen bei ausschließlicher Berücksichtigung der Kinder aus “bildungsbewussten Mittel- und Oberschichten”. Richtig geraten: sie wird viel kleiner sein. Ich bestreite nicht, dass sie möglicherweise noch da ist und man mit dieser Differenz dann wohl schon sehr nah an den wahren Qualitätsvorsprung im Sinne eines kausalen Effekts der privaten Schulen auf den schulischen Erfolg eines Kindes herankommt. Aber bitte, liebe Frau Kloepfer, liebe Journalisten in Deutschlands “Qualitätszeitungen”, gewöhnen Sie sich doch solch falsche bzw. unzulässige Vergleiche ab. Danke.